Die Messlatte der Ehemaligen

Hier findet ihr alle vergangen Aktionen, Themen, Diskussionen und Projekte.
Ein Ort für Nostalgie, Inspiration oder einfach nur zum mal durch schmökern.

Hallo Ihr Ehemaligen, Interessierten und FÖJ´ler!
Schön, dass Ihr euer Interesse zeigt!

Kommt mit auf die Reise der vergangen Jahrgänge und schaut euch ihre Leistungen für das FÖJ, ihre Beiträge und Erfahrungen an.

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Das letzte Seminar 16/17 – ein Erlebnisbericht

In der letzten Juliwoche fand für die FÖJlerinnen und FÖJler des Jahres 2016/17 der L p B das 5-tägige Abschlussseminar im Jugend- und Bildungshaus St. Norbert in Rot an der Rot statt. Trotz Regenwetter war die Woche ein gelungener Abschluss voller Spaß, anregender Diskussionen, Reflexion des Jahres und Inspiration für die Zukunft.

Die Pusteblume als starkes Symbol des FÖJ – losfliegen und andersorts voll aufblühen

Am Montag startete es nach einem ersten gemeinsamen Mittagessen für alle über hundert Teilnehmenden im Klosterhof mit ein paar lustigen Spielen, die selbst in der großen Gruppe durchführbar waren und alle in Stimmung versetzt hat. Dann ging es ab in die altbekannten Seminargruppen – für mich die Gruppe Schwarzwald-Rhein. Unsere beiden Seminarleiter klärten uns über Organisatorisches auf und gaben einen Ausblick auf die kommende Woche. Nach dem Abendessen gab es dann das Angebot, einen Spaziergang zum nahe gelegenen See zu machen – auf halbem Weg f iel dieser jedoch regelrecht ins Wasser, da ein starkes Gewitter aufzog, welches uns plitschnass zurückkommen lie ß . Trotzdem konnte man durch den verkürzten Spaziergang die ländliche, ruhige Umgebung von Rot an der Rot etwas kennenlernen und sich mit anderen FÖJlern unterhalten. Am Abend fand dann ein tolles Bardenkonzert eines ehemaligen FÖJlers namens Laurin Freiberg statt, der uns seine selbst geschriebenen Lieder mit der Gitarre vorsang. Wir waren alle schwer begeistert von seinen kreativen, lustigen und zum Nachdenken anregenden Texten!

Der Dienstag startete mit einem Jahresrückblick, der von den Seminarleitern unserer vi er Seminargruppen kreativ eingeleitet wurde in Form einer „Kaffeefahrt“, wie wir sie alle von unserem allerersten FÖJ-Seminar kannten. Aufgeheitert durch die als Aliens verkleideten Seminarleiter, die eine Zeitreise ins „Nichts“ mit uns simulierten, begaben wir uns in d ie einzelnen Seminargruppen, wo wir uns in unsere „InTeams“ aufteilten und von unseren Seminarleitern ausgeteilte Materialien bearbeiteten. Unter anderem reflektierten wir darüber, was unsere Beweggründe für das FÖJ waren, wie sich unser Leben durch das FÖJ verändert hat und welche Rolle unsere in diesem Jahr gesammelten Erfahrungen für unsere Zukunft spielen werden. Nach einem leckeren Mittagessen ging es dann in die Kreativarbeit. Dafür konnte man zwischen verschiedenen Angeboten wählen, z.B. Landart, Collagen basteln, Malen, Schreiben, Musizieren etc. Ich entschied mich für das Schreiben. Gemeinsam in einer kleinen Gruppe, die von einem der Seminarleiter unterstützt wurde, wärmten wir uns mit lustigen Schreibspielen auf, um uns in die Stimmung für das Schreiben zu versetzen. Dann konnte jeder einzeln oder als Kleingruppe etwas Kreatives schreiben, am besten natürlich auf das FÖJ bezogen. Dabei kamen tolle Gedichte und Texte zustande, die teilweise bei der Vernissage der Werke vorgetragen oder ausgehängt wurden. Für die Vernissage nach dem Abendessen konnte man, wenn man wollte, Abendgarderobe tragen. Vielen hat es Spaß gemacht, sich zur Abwechslung mal schick zu machen, und man nahm dadurch die Ausstellung der von allen geschaffenen Werke viel ernster – oder zumindest verlieh es dem Abend eine elegante und feierliche Stimmung. Zur Eröffnung wurden Bilder von der Landart vorgestellt, Texte vorgetragen und zwei tolle Lieder der Musiker-Gruppe gesungen. Außerdem gab es eine Gruppe, die sich aktiv Aktionen ausgedacht hatte, bei denen wir uns für den Umwelt- und Naturschutz einsetzen konnten. Anschließend konnte man in den Fluren Collagen, Malereien, Texte und Skulpturen begutachten. Jedes Werk war wirklich einzigartig und repräsentierte Erfahrungen, Gedanken und Gefühle der FÖJlerinnen und FÖJler auf ganz individuelle Art und Weise. Ein sehr gelungener Abend, der sogar noch besser wurde, da wir die Möglichkeit zu einem Nachtreffen in den Gruppen der Wahlseminare hatten. In der Tempelhof-Gruppe haben wir Bilder geschaut, die unser Seminarleiter von diesem Seminar gemacht hatte und haben anschließend noch „Menschenmemory“ gespielt – ein Spiel, welches wir auch beim Seminar mit viel Spaß gespielt hatten.

schön ökigig – bewusster Konsum im Tauschformat

Der nächste Tag war ganz dem Workshop gewidmet, für den man sich im Voraus entschieden hatte. Zur Wahl standen sieben verschiedene Workshops zu unterschiedlichen Themen: „Terrorismus“, „F(l)ick das System“, „Rechten Ökos auf der Spur“, „Festung Europa? Ein Planspiel zur Asyl und Flüchtlingsproblematik in der EU“, „Streiten für den Naturschutz oder „Natur gehört für mich zu einem guten Leben, weil…“, „Lagerfeuerküche – Ma(h)l vegetarisch“ und „Typisch…!?“ – Vorurteilen und Diskriminierung auf der Spur“. Ich war im Workshop „Streiten für den Naturschutz“, der von dem sehr freundlichen und engagierten Han s Offenwanger geleitet wurde. Nach einem theoretischen Teil, der aus einer Präsentation und einem offenen Dialog zu dem Thema „Arten von Argumenten beim Streiten für den Naturschutz“ bestand, teilten wir uns innerhalb der Gruppe in drei Kleingruppen auf, die jeweils ein praktisches Beispiel vor Ort, also in Rot an der Rot, bearbeiten sollten. Dafür besuchten wir am Nachmittag tatsächlich die

Schauplätze, was dem Tag trotz des nassen Wetters die entscheidende Abwechslung gab. Unserer Gruppe hat es sehr viel Spaß gemacht, an fiktiven Praxisbeispielen für den Naturschutz zu kämpfen, und nach Berichten von den anderen Workshops waren diese ebenso spannend und erfolgreich. An diesem Abend gab es das Angebot den Film „Nicht ohne uns!“ zu schauen, ein Dokumentarfilm, der die Schulwege von Kindern aus der ganzen Welt zeigt.

Passend dazu gab es nämlich am nächsten Tag ein Filmgespräch zu eben diesem Film – und zwar mit der Regisseurin Sigrid Klausmann-Sittler und dem Produzenten Walter Sittler persönlich! Die beiden sind sehr starke Persönlichkeiten und das Gespräch, bei dem wir alle Fragen stellen konnten, war für alle spannend und bewegend. Man konnte die Begeisterung und Motivation der beiden für ihr Projekt förmlich spüren! Ebenfalls am Donnerstag morgen

Die Sprecher berichten an verschiedenen Stationen über ihre Arbeit

gab es einen Jahresrückblick unserer FÖJ-Sprecherinnen und Sprecher, der sehr kreativ und anschaulich gestaltet war. In zufällige Gruppen aufgeteilt begab man sich an einzelne Stationen, an denen jeweils ein oder zwei der Sprecher zu einem bestimmten Thema redeten und Fragen beantworteten. Zum Beispiel gab es von den zwei Sprechern Jan und Nora einen Zeitstrahl mit Überblick über die ganzen Stationen (z.B. Sprechertreffen und FÖJ-Aktionen) der Sprecher im Jahr 2016/17. Für alle kam eine Botschaft klar rüber: Unsere Sprecher haben einiges geleistet, dabei viel Spaß gehabt und viel erreicht – so wie es sein soll also. Auf jeden Fall sind wir alle sehr stolz auf unser FÖJ-Sprecher-Team! Donnerstagnachmittag war schließlich für einen letzten Ausflug als Seminargruppe vorgesehen. Meine Gruppe hat sich an den See begeben – diesmal wurde der Marsch dorthin nicht von Regen unterbrochen. Ein paar haben sich sogar trotz mangelnder Sonne in den See getraut und anschließend haben wir ein letztes mal „Helga“ gespielt – ein Muss für unsere Seminargruppe und der perfekte Abschluss. Nach dem Abendessen war es dann so weit für das Abschlussfest, welches durch eine super Show-Einlage von unseren Seminarleitern eingeleitet wurde, die uns spaßig verkleidet im Innenhof bei Regen ein Lied sangen. Natürlich wurden auch noch die FÖJ-Sprecherinnen und Sprecher von ihnen geehrt, und wir alle wurden aus den oberen Fenstern mit guten Eigenschaften für die Zukunft beworfen – in Form von beschrifteten Luftballons. Danach hieß es nur noch Musik, Tanz und was sonst noch so zum Feiern gehört. Einen besseren letzten Abend hätte es nicht geben können!

Der letzte Tag kam viel zu schnell und war für Einige von uns sehr emotional. Nach einem Frühstücksbrunch und der üblichen Seminarauswertung und Räumen der Zimmer hatten wir etwas Zeit, uns in den Seminargruppen zu verabschieden. Viele hatten Tränen in den Augen, doch mit der Aussicht auf ein mögliches Nachtreffen als Seminargruppe konnte man sich doch auch wieder vorfreuen.

Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass das Abschlussseminar in Rot an der Rot rundum gelungen war. Das große, ehemalige Kloster war perfekt für unsere große Teilnehmerzahl und mit dem Essen, den Schlafzimmern und anderen Räumlichkeiten konnte man mehr als zufrieden sein. Unsere Seminarleiter haben das Seminar trotz über hundert Teilnehmer super organisiert und abwechslungsreich gestaltet. Man konnte das vergangene Jahr angenehm reflektieren und sich gemeinsam auf das Ende des FÖJs einstellen. Also: Vielen, vielen Dank an unsere fleißigen Seminarleiter, an die FÖJ-Sprecher und an alle FÖJ-Teilnehmenden, durch die dieses Jahr zu einer ganz besonderen Bereicherung wurde, die meine Zukunft sehr stark prägen wird und die ich niemals vergessen werde.

– Eva Nosal, FÖJlerin aus Karlsruhe

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FÖJler*innen vor Ort: Ein Einblick in die Tafel

Beim dritten FöJ-Seminar unserer Seminargruppe Schwarzwald-Rhein beschäftigten wir uns die Woche über in Gruppen mit unterschiedlichen Fragen zum Thema Landwirtschaft und Welternährung.

sieht gut aus, schmeckt gut und wäre ohne die Tafel verbrannt worden…

Die Weltbevölkerung wächst stetig, immer mehr Menschen leiden an Hunger während gleichzeitig immer mehr Lebensmittel in der Tonne landen. Somit wollte unsere Gruppe der Frage nach unserem individuellen Ernährungs- und Einkaufsverhalten nachgehen. Wie gehen wir mit unserem Essen um? Welche Alternativen gibt es?

Im Rahmen dieser Thematik sind wir zur Tafel in Heilbronn gefahren und wurden von einem hauptamtlichen Mitarbeiter freundlich begrüßt, durch die bescheidenen Räumlichkeiten geführt und konnten im Anschluss noch viele Fragen stellen.

Die Tafel in Heilbronn ist von der Diakonie organisiert und bietet bedürftigen Menschen Lebensmittel zum Drittel des regulären Preises an.

Schon beim Betreten waren wir etwas überrascht: Mit den Kassen am  Anfang, vielen Menschen mit Einkaufswägen und einer Menge an Regalen war die Tafel wie ein normaler Supermarkt aufgebaut.  Angefangen bei  verschiedenem Brot und Gebäck über Markenprodukte bis hin zu  veganen Milchalternativen von Alnatura wurde uns eine große Auswahl an Lebensmitteln jeglicher Art präsentiert.

Nur die Atmosphäre wirkte auf uns etwas bedrückend, fast als ob die Menschen Angst haben, nicht  ihre Wunschprodukte zu bekommen. Uns wurde erzählt, dass Produkte wie Milch oder Eier so stark nachgefragt sind, dass pro Person nur eine bestimmte Menge gekauft werden darf, wohingegen vieles andere im Überschuss geliefert wird.

…alles „Müll“!

Der Mitarbeiter betonte hier mehrmals das Problem der Überproduktion von Lebensmitteln. Neben dem Teil der aussortierten Ware, die an die Tafel geht, wird schon vieles direkt von den Supermärkten entsorgt und auch die Tafel muss immer wieder überschüssige Lebensmittel wegwerfen.

Und dass, obwohl es immer mehr Menschen in Deutschland gibt, die über so wenig Geld pro Monat verfügen, dass sie bei der Tafel einkaufen dürfen. Neben Arbeitslosen, Rentnern, einigen Studenten und der in den letzten Jahren steigenden Zahl an Flüchtlingen, sind unter ihnen auch immer mehr Vollzeitarbeitende, so der Mitarbeiter. Von dieser  Antwort waren wir wirklich schockiert. Wie kann es passieren, dass jemand, der 40 Stunden die Woche arbeitet, nicht genug Geld verdient um sich und seine Familie zu ernähren?

Schließlich haben wir mit dieser Frage zum Nachdenken und  viel neuem Wissen die Tafel wieder verlassen und können uns nur bei dem Tafelmitarbeiter für das offene Beantworten aller Fragen bedanken.

Hannah Wild
FöJlerin aus der Schwarzwald-Rhein-Gruppe