FöJ beim NABU Naturschutzzentrum Federsee – Ein Erfahrungsbericht

Gerade stapft man noch gemütlich mit dem Freischneider über die Wiese, mäht hier und da ein paar Weiden weg und plötzlich steckt man bis zu beiden Knien im Moor. In diesem Moment, während eiskaltes Dreckwasser in beide Gummistiefel läuft und alle drei Sockenschichten durchnässt, stellt man sich schon mal die Frage: Warum mache ich das hier eigentlich auch noch freiwillig?

Auch wenn es für den ein oder anderen vielleicht abschreckend klingt, selbst bei miesem Wetter durch das Moor zur Arbeit zu stapfen, liegt für mich genau darin auch der große Reiz meiner FöJ-Stelle. Ich sitze eben nicht mehr nur den ganzen Tag vorm Schreibtisch, sondern bin fast jeden Tag draußen unterwegs und erlebe Natur/-schutz auf eine total abwechslungsreiche und direkte Art. An einem Tag versuchen wir einen Biber davon zu überzeugen seinen Damm nicht direkt unterhalb einer Kläranlage zu bauen, am nächsten Tag dann steuere ich ein Ruderboot über den Federsee, schneide ein totes Reh auf, halte als „Experte“ eine Führung über den Federseesteg oder laufe mit dem Balkenmäher über verschneite Moorwiesen und lerne Abends wie man einen Messerbalken richtig schleift. Dabei fällt mir immer wieder auf wie viel ich schon über das Gebiet und seine Tiere und Pflanzen weiß, ohne viel bewusst auswendig gelernt zu haben, sondern einfach nur durch das was ich erlebe. Umso klarer ist mir deswegen auch, dass ich jeden Tag etwas wirklich wichtiges arbeite, auch falls es mal nicht so aufregend ist. Natürlich gibt es auch mehrere Tage an denen man „nur“ mit der Motorsense über Wiesen stapft und Gehölze mäht, aber auch dann kann es sein, dass man plötzlich über die seltene Uralameise stolpert, einen riesigen Schwarm Kraniche über sich fliegen sieht oder wie ich, in einen Graben tritt und die großartige Gelegenheit hat, das Moor sogar innerhalb der eigenen Gummistiefel zu erleben.

Mathis Grimshand, NABU Naturschutzzentrum Federsee

 

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